Mantrailing - Personensuche

Was ist das überhaupt?

Mantrailing - oder zu deutsch "Personensuche" - ist die Suche mit dem dafür ausgebildeten Hund nach einem ganz bestimmten Menschen, anhand seiner individuellen Geruchsspur, die genauso einzigartig ist, wie seine DNS.

K9 Egus beim Mantrailen

Unterschiede zur Fährtenarbeit

In der Fährtenarbeit spielt ausschließlich die durch den Fußabdruck verursachte "Bodenverletzung" (im u.g. Bild blau dargestellt) die Hauptrolle, egal von wem dieser Fußabdruck stammt. Hier folgt der Hund also einzig der Witterung, die durch einen Fußtritt auf den Boden entsteht. Auf natrüclichem Untergrund werden dabei die dort liegenden Blätter oder wachsende Vegetation verletzt und durch Mikroorganismen zersetzt. Dieser so erzeugten Fährte folgt letztlich der ausgebildete Fährtenhund. Verläßt die zu suchende Person allerdings den natürlichen Untergrund und läuft auf Asphalt weiter, wird es für den Fährtenhund schwierig, da auf anorganischem Boden keine oder kaum noch Bodenverletzungen möglich sind, die der Hund verfolgen könnte. Die Fährte wird auf solchen Untergründen zwangsweise irgendwann enden.

Mantrailing Spuren

Der Mantrailhund hingegen verfolgt andere Spuren, die gerade auch im urbanen Gelände verläßlicher als eine Fährte zu finden sind. Einerseits verfolgt er die Spur, die auf den Geruchspartikeln basiert, die der zu suchende Mensch "ausstreut" während er sich bewegt (Trailgeruch - im o.g. Bild rot dargestellt) und andererseits dem direkten, partikellosen Geruch (Quellgeruch), der von einer Person, die sich in relativer Nähe des Hundes aufhält, ausgeht und vom Wind getragen wird (s. "K-9 Trailing the straighest path", Jeff Schettler, 2011). Dies erklärt auch, warum Mantrailhunde gelegentlich den Trail verlassen und abkürzen, wenn sich die gesuchte Person in der Nähe befindet, und der Hund ihren Geruch wahrnimmt. In dem Moment, in dem der trailende Hund dies wahrnimmt, wird sich zudem sein Verhalten ändern, und er wird einen vom trainierten Auge seines Hundeführers deutlich erkennbaren sog. "proximity alert" (= Annäherungs-Alarm) anzeigen.

Auf Grund dieser sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen von Fährten- und Mantrailinghunden erklärt sich auch das beobachtbare Phänomen, daß der Fährtenhund naturgemäß sehr "spurtreu", d.h. sehr eng an der eigentlich von der zu suchenden Person gelaufenen Spur arbeitet, während der Mantrailhund gerade bei älteren Spurenlagen oftmals auch viele Meter entfernt von dem eigentlich von der Person gegangenen Weg den Trailgeruch der Person verfolgt. Bedingt durch die verschiedenen Umwelteinflüsse (Wind und Wetter, Temperatur) aber auch durch die zeitliche Differenz, werden die kleinsten Partikelchen, aus denen sich der Trailgeruch zusammensetzt, natürlich unterschiedlich in der Umgebung umhergewirbelt und verteilt.

Anders also als der Fährtenhund, ist ein Mantrailer nicht einmal darauf angewiesen, daß der zu suchende Mensch mit seinem Fuß den Boden berührt. So könnte man also auch die zu suchende Person auf ein Fahrrad setzen - der Mantrailer wird seine Spur trotzdem finden und verfolgen können!

Die Aufgabe des Menschen beim Mantrailen

Für den Menschen bedeutet dies: Er kann die Arbeit seines Hundes nicht direkt visuell kontrollieren. Die Aufgabe des Hundeführers besteht darin, seinen Hund körpersprachlich lesen zu lernen und dem gezeigten Verhalten seines Hundes sicher ablesen zu können, ob der Hund noch dem eigentlichen Trail folgt, oder z.B. auf eine Verleitfährte geraten ist oder den Trail ganz verloren hat, ob er in einem Scentpool festhängt, oder ob er einen Proximity-Alert anzeigt.

Bloodhound Jenny auf dem Trail

Trailen - also eine Spur zielsicher verfolgen - kann der Hund schon. Dies ist etwas, was wir unseren Hunden in der Mantrailausbildung nicht mehr beibringen müssen! Aber dennoch lernt auch der Hund im Verlauf der Mantrailausbildung einige Dinge:

Der Hund lernt z.B. mithilfe seines Menschen während der Ausbildungstrails, sich selbst zu korrigieren (wenn er mal in die falsche Richtung laufen sollte, oder die Spur kurzfristig verliert), und er wird lernen, seinem Menschen durch seine Körpersprache anzuzeigen, wenn er die Spur tatsächlich verloren hat (Negativ-Anzeige).

Die Hauptaufgabe des Hundeführers im Mantrailing-Team ist allerdings nicht, seinen Hund ständig dahingehend zu korrigieren, wo er (der Mensch) meint, daß der Trail vermutlich verlaufen könnte, sondern vielmehr seinen Hund genau zu beobachten, seine Körpersprache und -zeichen lesen und deuten zu können.

Ein guter Mantrail-Handler kann daher auch auf Nachfrage sagen: SO sieht mein Hund aus, wenn er einen Trail hat, SO wenn er nahe an der gesuchten Person ist ("proximity alert"), SO wenn er meine Unterstützung braucht, und SO wenn er den Trail verloren hat.

Mantrailen - Wie geht das?

Beim Mantrailen bekommt der Hund vor dem Trail kurz eine Geruchsprobe des zu suchenden Menschen gezeigt, damit er weiß, wie der Mensch riecht, den er suchen soll. Der Trail, dem er dann folgt, ist für jeden einzelnen Menschen so individuell wie seine DNA. Der Mantrailer verfolgt also ganz gezielt die Spur eines bestimmten Menschen (= Individualgeruch); nur dessen Geruch soll er unter allen anderen herausfiltern, und folgen.

Häufig wird der Geruchsträger in Plastikbeuteln, oder besser in geschlossenen Gläsern aufbewart und dem Hund präsentiert. Allerdings ist es dem Hund auch möglich den Geruch der zu suchenden Person anderweitig aufzunehmen. Im nachfolgenden Bild nimmt K9 Lupa z.B. den Geruch ihrer Zielperson vom Arm unseres Trainers John Salem auf, den die zu suchende Zielperson zuvor angefasst hat:

K9 Lupa nimmt den Geruch auf

Der Mantrailer sucht somit, im Gegensatz zu anderen Suchhunden, geruchsspezifisch. Die Geruchspartikel denen er folgt, "segeln" zu Boden wenn sich der Mensch bewegt. Sie können sich dann aber auch an verschiedenen Hindernissen fangen, die sich in ihrer Flugbahn befinden. Das können Hauswände, Bordsteine, Büsche, Böschungen und dergleichen sein. Der Geruch befindet sich also nicht immer unbedingt direkt dort, wo der Mensch gegangen ist, sondern oft mehrere Meter seitlich davon (hängt z.B. auch vom Wind ab), in Vertiefungen, auf Erhöhungen usw.

Anders also als bei einer Fährte - die für den Menschen durch Trittsiegel im weichen Boden durchaus gelegentlich sichtbar wird - folgt der Mantrailer einer Spur, die wir Menschen nicht mehr sehen können.

Was bedeutet Trailen für den Hund?

Um maximal viele Duftinformationen aufnehmen zu können, atmen die Hunde an bestimmten Stellen bis zu 300 Mal die Minute! Bei diesem intensiven Schnüffeln steigt die Pulsfrequenz und die Körpertemperatur des Hundes an. Sein ganzer Organismus reagiert dann so, wie bei einer sportlichen Höchstleistung der Muskulatur. Das erklärt auch, warum Nasenarbeit und hier insbesondere natürlich auch das Mantrailen für den Hund enorm anstrengend ist.

Beim Trailen werden sie also nicht nur körperlich (durch die Bewältigung der Trailstrecke in jedwedem Gelände) gefordert, sondern vor allem geistig.

Ist es wahr, daß Hunde in der Lage sind tage-/wochenalte Trails zu verfolgen?

Zeit, Umwelt- und Wetterbedingungen haben einen großen Einfluß auf den Trail. Zeit ist dabei vermutlich der wichtigste Faktor den man berücksichtigen sollte. Sie ist insbesondere deshalb so unkalkulierbar, weil im zeitlichen Verlauf auch die Umwelt- und Wetterbedingungen wechseln können. So wie die Zeit verrinnt, wechseln auch die anderen Bedingungen die den Trail beeinflußen zu nahezu unendlichen Möglichkeiten.

An einem Tag kann ein Trail schon nach wenigen Stunden "verschwunden" sein. An einem anderen Tag ist derselbe Trail für den Hund noch 12 oder vielleicht sogar noch mehr Stunden wahrnehmbar. Dies hängt eng mit den Umwelt- und Witterungsbedingungen zusammen die innerhalb der zeitlichen Parameter ablaufen. Die Erfahrung die professionelle Polizei-Mantrailer / -Manhunter in den USA gesammelt haben, zeigt: Wurden die Suchhunde innerhalb weniger Stunden nach dem Verschwinden der Person eingesetzt, fanden sie diese Person mit einer 30-40%igen Sicherheit. Wurden die Hunde erst nach 12 Stunden auf den Trail geschickt, sank die Wahrscheinlichkeit, daß sie die Person oder brauchbare Hinweise auf ihren Verbleib fanden, auf weniger als 15%. Wurden die Hunde erst nach 24 Stunden eingesetzt, schwanden die Chancen auf regelrechte Zufallstreffer.

Altern eines Trails

Demzufolge ist der beste Zeitrahmen für einen Hund einen Trail erfolgreich zu laufen, unabhängig von den Umwelt- und Witterungsbedingungen, zwischen 1 - 4 Stunden. 12 Stunden sind jedoch für die meisten Hunde - beste Umwelt-/Witterungsbedingungen vorausgesetzt - wohl das absolute Maximum, wo sie noch halbwegs erfolgreich arbeiten können. In einigen Ausnahmefällen mag der Hund auch ältere Trails erfolgreich absolvieren können, wenn alle Bedingungen optimal sind, und solange noch genügend Geruchspartikel der zu suchenden Person vorhanden sind, und noch nicht zu sehr verweht und verwirbelt sind, so daß der Hund ihnen noch folgen kann. Aber nach 12 Stunden wird dies eher selten der Fall sein, da sich allein die Geruchspartikel zu diesem Zeitpunkt entweder schon verflüchtigt haben werden, oder von den Mikroorganismen vernichtet wurden.

Double-Blind Trails

Um zu vermeiden, daß der Mensch seinen trailenden Hund bewußt oder unbewußt (ggf. durch subtile körpersprachliche Signale) in schwierigen Situationen in die "richtige" Richtung führt, sollte man ab einem gewissen Trainingsstand des Trailteams immer wieder auch sog. "double-blind" Trails einbauen.

Bei double-blind Trails weiß einzig die Versteckperson wo sie ist, und welchen Weg sie genommen hat. Dem Hundeführer und den Begleitpersonen ist somit lediglich der sog. Abgangsort - also der Start des Trails - bekannt.

Auf diese Weise ist es unmöglich, daß irgendjemand, sei es der Hundeführer selbst, oder eine der "wissenden" Begleitpersonen den Hund durch teilweise subtilste körpersprachliche Einwirkungen (z.B. bleiben die Begleiter stehen oder folgen deutlich langsamer, wenn der Hund falsch abbiegt) beginnt zu führen, und ihn ggf. so in die "richtige" Richtung des Trails zu drücken. Daher ist es beim Laufen von double-blind Trails unerlässlich, seinen Hund wirklich gut "lesen" und seine körpersprachlichen Signale gut deuten zu können! Hier zeigt sich dann, wie viel das Hund-Mensch-Team tatsächlich zu leisten vermag, und wie der aktuelle Trainingsstand des Teams tatsächlich ist.

Trail Götz in DO-Phönix West

Auf Grund der Tatsache, daß bei double-blind-trails lediglich die Versteckperson weiß, wo sie ist und welchen Weg sie genommen hat, bieten letztlich einzig double-blind Trails sehr realistische Trainings-Bedingungen.

Um auch double-blind Trails in der Nachbesprechung sinnvoll bewerten zu können, empfiehlt es sich, gerade auch diese Trails immer wieder auch mal per Video zu dokumentieren, und sie dann gemeinsam mit der Versteckperson, durchzusprechen und daraus zu lernen.


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Mantrail-Tagebuch: Trainingsbuch
Mantrail Tagebuch